Burg Hessental – Evangelische Matthäuskirche:
Das ursprünglich älteste Bauwerk in Hessental ist die evangelische Matthäuskirche, die aber im zweiten Weltkrieg zerstört und 1950 wieder aufgebaut wurde. Sie befindet sich auf einer kleinen Anhöhe – damals noch am Nordrand des Dorfes, jetzt im Zentrum.

Erstmals wird eine „Kapelle zum Heiligen Matthäus“ im Jahr 1365 erwähnt. Vermutlich sind diese Kapelle und der Chor der heutigen Kirche identisch. Der Kirchplatz an der Südseite und um den Turm herum war bis 1887 Friedhof der Gemeinde.
Der romanische Turmchor weist in die Zeit des 12. Jahrhunderts. Die unteren drei Steinlagen des Turms zeigen ausgesprochene Buckelquader, die der Zeit der Staufenkaiser zugehören. Es handelt sich wohl – wie die nächsten drei,  vermutlich nachträglich geglätteten Lagen – um die Reste der abgegangen Burganlage der Herren von Hessental. Von der Comburg aus dürften sie zu einer Kapelle umgebaut worden sein. 
Glocken: Bis 1917 befanden sich zwei Glocken aus dem Jahre 1696 und 1705 auf dem Kirchturm. Diese beiden Glocken fielen dem ersten und zweiten Weltkrieg zum Opfer.

Altarschrein: Der einzig verbliebene Kunstbesitz der Kirche ist das Kruzifix, eine Arbeit aus dem 17. Jahrhundert (1645). Bis 1893 befand sich ein spätgotischer Flügelaltar in der Kirche. Dieser wurde leider zu Gunsten einer Kirchenerneuerung an einen Stuttgarter Altertumshändler verkauft, trotz heftigens Einspruchs der Königl. Behörde für Altertumsdenkmale.

Im Jahre 1541 wurde in Hessental von Hall aus die Reformation eingeführt. Die katholischen Christen blieben in der Zuständigkeit Steinbachs. Die Matthäuskirche dagegen wurde Filialkirche der Tüngentaler Marienkirche. Der dortige Pfarrer hatte fortan 14-tägig in Hessental zu predigen, die Kasualien zu übernehmen und viermal im Jahr mit der Gemeinde das Abendmahl zu feiern. Von 1939 an war St. Matthäus Pfarrverweserei und erst ab 1946 selbstständige Pfarrgemeinde.

Fliegerangriff 1944:
Kurz vor Kriegsende (13.9.1944) wurde die Kirche bei einem Fliegerangriff, der den militärischen Anlagen des Hessentaler Flugplatzes galt, größtenteils zerstört. Allein der Kruzifixus überstand das Inferno unbeschädigt. War dies Zufall, oder doch ein himmlischer Fingerzeig auf das, was allein Bestand hat, wenn alles andere untergeht?
Außer der Kirche brannten noch vierzehn Wohngebäude und fünfundzwanzig landwirtschaftliche Gebäude nieder. Ein Hessentaler Einwohner fand dabei den Tod.
Die ehemalige Mutterkirche in Tüngental, eine Marien-Wallfahrtskirche, ereilte das gleiche Schicksal. Die Kirche brannte aus und mit der Kirche verbrannte die Schutzmantelmadonna auf dem Altar

Nach dem Krieg (1948-1950) wurde der Turm nach dem Vorbild des alten Turms wieder aufgebaut und das Kirchenschiff in vergrößertem Maßstab neu errichtet. Die Pläne stammten von Prof. Lempp, Stuttgart. 1950 wurden zwei neue Glocken der Firma Heinrich Kurz, Stuttgart, auf den Turm gebracht. Die dritte Glocke ist eine Leihglocke aus der Dorfkirche von Braunau/Schlesien.  Sie wurde 1561 in Breslau gegossen. Nach Kriegsende war sie auf einem Glockenfriedhof in der Nähe Hamburgs gefunden worden, konnte aber (u.a. wegen des „Eisernen Vorhangs“) nicht mehr nach Schlesien zurückgebracht werden. So wurde sie der Matthäuskirche als Dauerleihgabe überlassen.

Am 9. Juli 1950 konnte die Kirche wieder ihrer Bestimmung übergeben werden.

Ausstattung der Kirche:
Die Orgel in der wiederaufgebauten Matthäus-Kirche besitzt zwölf Register. Sie wurde 1953 durch die Firma Walcker, Ludwigsburg erstellt. Eine elektroautomatische Turmuhr samt elektrischer Läuteanlage konnte 1956 installiert werden. Eine elektrische Bankheizung sowie die farbigen Glasfenster, die vier Evangelisten darstellend, wurden anläßlich einer Innenerneuerung der Kirche 1971 eingebaut.

Anlässlich einer Innenrenovierung wurden im Jahre 1971 zu dem bestehenden Abendmahlsfenster  in der Ostwand des Chors, drei farbige Glasfenster mit Abbildungen der vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes an der Südwand eingesetzt. Eine elektrische Bankheizung ersetzte den Kohleofen, der bis dahin noch in Betrieb war. Der damalige Kohlekeller wurde später als Übungsraum genutzt und dient heute als Jugendcafé („blubb“).
Damit auch Theateranspiele und moderne Musik ihren Platz im Gottesdienst finden können, ist die Kirche mit entsprechender Technik gut ausgestattet.

Insgesamt ist die Hessentaler Matthäuskirche eine eher schlichte Dorfkirche ohne spektakuläre  Kunstschätze. Durch das warme Holz der Empore und  der getäfelten Balkendecke verströmt sie aber eine freundliche Atmosphäre, in der sich die meisten Gottesdienstbesucher/innen auf Anhieb wohlfühlen.

Friedhof: Der Begräbnisplatz der evangelischen Kirchengemeinde war bis 1887 der sich um die Kirche lagernde Friedhof mitten im Ort. Ab Sommer 1887 wurde der neue Friedhof am Westrand des Dorfes, an der Hirtengasse gelegen, in Benutzung genommen.
1960 wurde eine Leichenhalle erstellt; dabei wurde der Friedhof erstmals erweitert. 1964 und 1975 mußte der Gottesacker abermals vergrößert werden.

Obwohl der Friedhof seit 1887 in bürgerlichem Eigentumstand, ließen die katholischen Gemeindeglieder überlieferungsgemäß ihre Verstorbenen auf dem Steinbacher Friedhof bestatten. Diese Übung wurde erst in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg aufgegeben.

Gemeindeleben:
In der Matthäusgemeinde besteht seit 1925 ein Kirchenchor.
Ein Posaunenchor konnte 1959 gegründet werden.
Der evangelische Kindergarten besteht seit 1945. 1957 zog er in das der Stadt Hall gehörende Kindergartengebäude im Nixenweg 7 ein.

Die Süddeutsche Gemeinschaft besteht am Ort seit 1920.


Die Geistlichen :
Bis 1938 wurde die evangelische Kirchengemeinde Hessental vom evangelischen Pfarramt Tüngental bedient. Auf Antrag der Kirchengemeinde konnte im Februar 1939 das Filialverhältnis zu Tüngental gelöst und eine ständige Stadt-Pfarrverweserei eingerichtet werden.

Nachfolgende evangelische Geistliche taten hier ihren Dienst:

1939  Pfarrverweser Wilhelm Schmelzle
1939-1943 Pfarrer i. R. Karl Erhard
1943  Pfarrer i. R. Christian Heller
1943-1946 Pfarrverweser Eugen Roos
1946-1950 Pfarrer Joh. Kiefel
1950-1963 Pfarrer Erich Heinlein
1963-1964 Pfarrverweser Peter Daniel
1964-1976 Pfarrer Martin Wissner
1976-1995 Pfarrer Dieter Süßmuth
1995-1996 Pfarrer Eberhard Messner
1996-1997 Pfarrerin Sabine Gruber-Dürr und Pfarrer Ralph Gruber
1997-1998 Pfarrer Ralph Gruber
1999 –       Pfarrer Johannes Beyerhaus
2000 –       Pfarrer Hartmut Bullinger
Das Pfarrhaus Grauwiesenweg 14 wurde 1959 erbaut.

Von Tüngentaler Filiale bis zur selbständigen Kirchengemeinde 1594 – 1939


In Hessental war das kirchliche Leben vor und nach der Reformation eher als beschaulich zu bezeichnen.
Als Filialgemeinde der Kirchengemeinde Tüngental fanden Gottesdienste nur an jedem 2. Sonntag statt. Für Sakramentsgottesdienste gab es feste Terminvereinbarungen, auch für Trauungen und Bestattungen war der Tüngentaler Pfarrer zuständig.
Als die Einwohnerzahl von Hessental stetig zunahm, wurde der Ort 1936  per Vertrag (wie auch Steinbach und Hagenbach) nach Schwäbisch Hall eingemeindet.
Drei Jahre nach der Eingemeindung ging auch der Wunsch der Hessentaler in Erfüllung, eigenständige Kirchengemeinde zu werden.

Schwere Zeiten, Krieg und Kriegsfolgen 1939 – 1945


Losgelöst von Tüngental war Hessental zunächst ständige Pfarrverweserei, deren Leitung in den Händen von Pfarrer Roos lag, der zunächst noch Pfarrer von Tüngental blieb, später aber ganz nach Hessental überwechselte.
Im Jahre 1939 brach der 2. Weltkrieg aus, der auch über die Hessentaler Gemeinde viel Leid brachte. Viele Männer fielen, andere kehrten erst spät aus der Gefangenschaft zurück. Im September 1944 erfolgte ein Fliegerangriff auf Hessental, dem das Ortszentrum einschließlich der Kirche zum Opfer fiel. Auch die unmittelbar neben der Kirche gelegene Wohnung von Pfarrer Roos brannte aus.
Die ehemalige Mutterkirche in Tüngental, eine Marien-Wallfahrtskirche, ereilte das gleiche Schicksal. Die Kirche brannte aus und mit der Kirche verbrannte die Schutzmantelmadonna auf dem Altar.

Wiederaufbau der Kirche 1946 – 1950


Mittlerweile, man schrieb inzwischen das Jahr 1946, wurde Hessental selbständige Pfarrei und die Stelle mit Pfarrer Johannes Kiefel neu besetzt.
Dessen Aufgabe war es nun zu retten, was noch zu retten war. Ihm oblag es, Notunterkünfte für Gottesdienste und andere kirchliche Veranstaltungen zu beschaffen und Gemeinde neu aus den Reihen zu sammeln, welche die Nazi-Diktatur zurück gelassen hatte, denn der wirklich Getreuen waren es nur wenige gewesen.
Auch an den Wiederaufbau der Kirche galt es zu denken. Ein rühriger, mündiger Kirchengemeinderat stand Pfarrer Kiefel zur Seite. Den Plänen von Dekan und Oberkirchenrat wurde widersprochen – der Plan eines Neubaus an einer anderen Stelle im Ort war somit vom Tisch. Die Kirche wurde stattdessen am angestammten Platz vergrößert wiederaufgebaut.
Im Juli 1950 stand die Kirche und wurde am 9. des gleichen Monats in einem feierlichen Gottesdienst eingeweiht, den Dekan Roller hielt.
2 neue Glocken konnten angeschafft werden, das neue Geläute vervollständigt seither eine Leihglocke aus Schlesien. Der „Eiserne Vorhang“ hatte damals eine Rückkehr an den angestammten Platz verhindert.
Bald konnte dank vieler Spenden auch eine Orgel angeschafft werden.
Der Gesundheitszustand von Pfarrer Kiefel hatte sich aber zunehmend verschlechtert. Der Wiederaufbau der Kirche und die Reaktivierung des Gemeindelebens hatte viel Kraft erfordert. So entschloss sich Pfarrer Kiefel nach 1950 (Abschluss des Wiederaufbaus der Kirche), in eine kleinere Gemeinde zu wechseln, nämlich Enslingen.

Fortsetzung der Bauaufgaben, ein Pfarrhaus wird erstellt 1950 – 1963

Im Jahr 1950 zog Erich Heinlein als Pfarrer in Hessental auf. Wer geglaubt hatte, dass mit der Fertigstellung der Kirche die kirchliche Bautätigkeit in Hessental ihren Abschluss gefunden habe, sah sich getäuscht.
Mit der Kirche war auch die Pfarrerwohnung in Flammen aufgegangen. Es gab eine Interimswohnung im Schlichtweg, was kein Dauerzustand sein konnte. Das führte zum Beschluss des Kirchengemeinderats im Grauwiesenweg ein Pfarrhaus zu erstellen. Somit war auch bald der Dienst von Pfarrer Heinlein durch Bauaufgaben erschwert. Der Familie Heinlein stand dafür ein neues Pfarrhaus zur Verfügung.

Nun galt es, das von Pfarrer Kiefel begonnene Werk fortzusetzen, nämlich zu versuchen, aus den vom Krieg hinterlassenen Fragmenten wieder Gemeinde zu bauen, wobei ihm sein gut fundiertes theologisches Wissen, seine Gabe das in seine Predigten umzusetzen und sein, den geraden Weg bevorzugendes Wesen, behilflich waren. Mit Heinleins Gesundheit war es nicht zum besten bestellt, so dass er 1963, aus dem Amt heraus, in die Ewigkeit abberufen wurde. Zunächst versahen Nachbarspfarrer während der eingetretenen Vakatur die Dienste in Hessental, bis im September 1963 der Vikar Peter Daniel, aus Breslau gebürtig, die Stelle als Pfarrverweser antrat, was bis März 1964 dauerte, worauf Daniel nach Onolzheim ging, wo er Pfarrer wurde. Sein Leben nahm einen dramatischen Verlauf. Er hat den Dienst als Pfarrer 1967 aufgegeben, Onolzheim verlassen und ist bald darauf verstorben.

Pfarrhaus