Wer tot ist, verschwindet nicht, sondern ist aufgehoben – in unserem Herzen und bei Gott. Wir gehen zum Grab, weil wir das ahnen oder glauben. Wir tun am Grab Dinge, die dessen Pflege dienen. Das kann eine Hilfe für das Totengedenken sein:

Ich gehe über den Friedhof zum Grab.
„Der Herr ist mein Hirte – mir wird nichts mangeln“. Diesen Vers kann man sprechen, wenn man zum Grab hin- und wieder weggeht. Wie einen wiederholten Trost: „Der Herr ist mein Hirte – mir wird nichts mangeln.“ Das gilt auch den Toten.

Ich pflege dieses Grab.

Das ist eine Geste der Zuwendung. Wenn Gott den Menschen schafft, nimmt er ihn in die Hände und haucht ihn an, damit er lebt. Und dann läßt er ihn, damit er selbst lebt. So ist das auch mit den Toten. Wir pflegen ihr Grab, und dann lassen wir sie los, damit wir leben können. „In deine Hände lege ich seinen/ihren Geist.“

Ich grabe in der Erde.
Ich berühre sie mit den Händen. Wir sind aus Erde gemacht, sagt die Bibel. Und wir kehren dahin zurück. „Da machte Gott den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm Atem des Lebens in seine Nase. Und so wurde der Mensch ein lebendiges Wesen.“ Aus dieser Erde ist Christus auferstanden.

Ich pflanze in die Erde.
Die Blumen und Sträucher zeigen, wie Leben aus der scheinbar leblosen Erde wächst. Nichts geht verloren. Mein Pflanzen reiht sich ein in das Schaffen Gottes, der möchte, dass wir gedeihen. „Und siehe, es war sehr gut.“

Ich gieße die Pflanzen.
Gott nährt uns, indem er Momente lebendiger Freude und Geistesgegenwart schenkt. Vielleicht auch hier am Grab. Ich gebe den Pflanzen Wasser und versuche dabei zu danken für alles, was gelang in diesem Leben. „Du schenkst mir voll ein.“ (Psalm 23) Ich gieße den Boden und bete dabei das vertraute Gebet:
„Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute, und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen, denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen.“

Ich sammle Blätter und Abgestorbenes vom Grab.
Alles hat seine Zeit. Was kraftvoll entstand, fällt nun zu Boden. Ich hebe es auf, bringe es weg, trauere um das, was sterben muß und danke Gott für die große und verschwenderische Kraft der Natur. „Du feuchtest die Berge von oben her, du machst das Land voll Früchte, die du schaffst. Du lässt Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutz den Menschen, dass du Brot aus der Erde hervorbringst.“ (Psalm 104)

Ich schütze die Pflanzen vor der Kälte des Winters.
Zuzeiten liegt alles brach. Die Natur ruht. Das sind Zeiten, in denen sich Kraft sammelt. Die Ruhe des Todes ist die Einkehr in die Ruhe Gottes. „Und am siebenten Tag ruhte Gott von allen seinen Werken. – Und siehe, es war sehr gut.“

Ich zünde ein Licht auf dem Grab an.
Die Dunkelheit ergreift nicht alles. „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da sitzen in Finsternis und Todesschatten, leuchtet es hell.“ Ich zünde das Licht an und bete: „Das ewige Licht leuchte dir, und Gottes Glanz umhülle dich.“

Ich stehe oder sitze am Grab.
Ich verweile. Ich bin da, und die Tote oder der Tote ist da. Gott ist da. Ich spreche zu ihm oder zu ihr, ich spreche zu Gott. Er hört. „Ich sitze oder liege, so bist du um mich.“ (Psalm 139).

Ich lese den Namen auf dem Grabmal.
Er ist eingraviert in Gottes Hand. Er geht nie verloren, selbst dann nicht, wenn ich nicht mehr bin. „Und nun spricht Gott, der dich geschaffen hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ (Jesaja 43,1)

Aus dem Johannes-Evangelium das Trostwort Jesu, der aufersteht von den Toten:
Ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freunde soll niemand von euch nehmen.